Auf den ersten Blick scheint es logisch. Der Standort mit dem niedrigsten Energieverbrauch gilt als der effizienteste. In der Praxis führt diese Annahme jedoch häufig in die Irre – und zu falschen Schlussfolgerungen bei Bewertung und Steuerung von Gebäuden.
Gebäude bestehen nicht nur aus Büros und Aufenthaltsräumen. Viele der entscheidenden Bereiche liegen dort, wo man im Alltag selten hinschaut – im Keller, in Schächten, Technikräumen oder im Außenbereich. Lange galten genau diese Zonen als kaum oder gar nicht messbar. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert.
Störungen, Ausfälle oder Schäden entstehen nur selten plötzlich. In den meisten Fällen gehen ihnen kleine, schleichende Veränderungen voraus, die im Alltag leicht übersehen werden. Genau hier liegt der Schlüssel zu mehr Betriebssicherheit – nicht durch immer mehr Kontrollen, sondern durch zusätzliche, relevante Messpunkte.
In vielen Bestandsgebäuden gehört es noch immer zum Alltag. Zähler werden abgelesen, Werte notiert, Excel-Tabellen gepflegt und Abweichungen im Nachhinein erklärt. Häufig übernimmt das der Hausmeister – manchmal einmal im Jahr, manchmal monatlich, selten öfter. Das eigentliche Problem dabei ist jedoch nicht der Aufwand. Es ist der Informationsverlust.
Kaum ein Thema polarisiert derzeit so stark wie regulatorische Anforderungen rund um Energie und Nachhaltigkeit. ESG-Kriterien, Gebäudeenergiegesetz oder neue Berichtspflichten werden von vielen Verantwortlichen zunächst als zusätzliche Bürokratie, Kostenfaktor und Mehraufwand wahrgenommen. Genau darin liegt jedoch ein Denkfehler.